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Heute geschah etwas... Ungewöhnliches. Ich schrieb schon sehr lange nicht mehr, wohl aus dem einfachen Grund, dass ich glaubte, meine Leidenschaft kann niemand bewegen und schon gar nicht berühren. Aber heute, an diesem kalten, regnerischen Tag geschah etwas Spezielles.
Ein junger Mann, den ich schon lange kenne und schätze, gab ein kleines Konzert. Er spielt Akkordeon. Natürlich musste ich unfreiwillig sofort an das wundervolle Lied von Edith Piaf denken, "L'accordéoniste".
Seinem Spiel zu lauschen war mehr als nur Noten und Pausen und all das zu vernehmen- es war Musik. Zu sehen, wie ein Mensch so tief und so leidenschaftlich, mit so viel Hingabe, mit so viel Aufopferung, mit so viel Inbrunst mit nicht nur einer Sache, sondern einem Instrument verschmilzt, war ein unbeschreibliches Erlebniss. Wie sehr versuchte ich mein Leben lang so tief und so umschlungen in Wörter und Sätze einzutauchen, wie oft versuchte ich -vergebens- so wie dieser Meister und Künstler in meine Leidenschaft einzutauchen. Zu sehen, wie ein Mensch in diesem Wunder des Lebens ergeht, war wie ein Traum. Ich bin fasziniert, in gewisserweise sprachlos.
Seine Finger mindestens so flink wie seine Augen, die Noten auf dem Blatt wurden mehr als nur Tinte auf Papier, sie wurden mehr als Wörter in einem ganzen Menschenleben je hätten überliefern können. Sie wurden schlicht und ergreifend zu Musik, doch wie auch Literatur ist Musik nichts ohne große Künstler. Und eben so einen Künstler sah ich heute abend. Mit all meiner Ehrlichkeit kann und muss ich absolut neidlos eingestehen, dass ich liebend gerne so in meiner Leidenschaft ergehen würde, wie dieser junge Künstler es heute abend tat. Im Leben zählt mehr als das Weltliche, mehr als das Leben ansich und als solches, im Leben zählt das, was dieser Künstler heute abend interpretierte. Etwas, dass ich in meinem Leben niemals in Wörter fassen können werde und vor so viel Weisheit - nicht Wissen- bleibt mir nicht mehr, als diesen jungen Mann für seine Leidenschaft zu bewundern.
In all meinem Alleinseinwollen, in all meiner Gier, anders zu sein, in all meinem Verlangen einzigartig zu sein, in all meinem Bedürfnis, von der Gesellschaft ausgespien zu sein und neben ihr stehen zu können und nicht zu müssen, habe ich vergessen, dass auch ich nur ein Mensch bin und vergessen, dass ich leiden kann. Aus dem Können wurde ein Müssen und jene Veränderung zeigt uns wohl immer, dass wir nur Menschen sind.



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